www.werbewolf.ch...AUGUST-NEWS 2005


VESPA
Wer in Italien in den Ferien war ist sich der Beliebtheit der Vespa bewusst.
Aber so oder so ist die Geschichte der Vespa interessant ...

Das Gesellschaftsphänomen beginnt 1946 mit 15 Vespas und später 16 Millionen produzierten Einheiten. Schon 1961 zählt die Vespa zu den 100 klassischen Designs des 20. Jahrhunderts und findet Platz im Museum of Modern Arts. Ihre ganz eigene Philosophie und die Image-Variationen - auch in der Werbung - begeistern Jugendliche. Der ab 1952 gestaltete Kalender wird zur Ikone. Sie war Filmstar und ist, damals wie heute, Symbol des italienischen Stils und der italienischen Eleganz.

1945 brüteten zwei Männer über Konstruktionszeichnungen und wussten damals sicher noch nicht, dass sie einem Mythos Gestalt verleihen. Corradino d'Ascanio der genialen Luftfahrtkonstrukteur und sein Zeichner Mario d'Este hatten von Enrico Piaggio den Auftrag erhalten ein motorisiertes Zweirad zu entwickeln. Es musste leicht zu fahren, einfach gebaut und preisgünstig zu produzieren sein.
Die beiden entwicklelten
ein revolutionäres Fahrzeug mit einem tragenden Aufbau und mit der Schaltung am Lenkrad. Der Motor wurde am Hinterrad platziert und der am Vorderrad befindliche Tragarm (ähnlich einem Flugzeugfahrwerk) erlaubte einen einfachen Austausch des Rades. Schon die erste Vespa war ein echtes Nutzfahrzeug auf zwei Rädern. Ein Fahrzeug, das nicht einem unbequemen und lauten Motorrad ähnelt, sondern schon auf den ersten Blick Klasse und Eleganz ausstrahlte. Die ersten 15 Vespas verliessen 1946 das Werk in Pontedera.

Der nachfolgende Erfolg der Vespa ist ein einzigartiges Phänomen.
Ende 1949 wurden über 35'000 Exemplare produziert. Mitte der Fünfziger Jahre werden Vespas in Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Belgien und Spanien produziert. Wenige Jahre später auch in Indien und in Indonesien. Die Vespa ist nicht "nur" ein Motorroller. Sie ist vielmehr ein Symbol des italienischen Stils und der italienischen Eleganz. Über 16 Millionen produzierte Einheiten belegen dies eindrucksvoll.

Vespa als Gesellschaftsphänomen.
Die Vespa ist jedoch nicht nur ein wirtschaftliches Phänomen. In den Jahren des "Dolce Vita" wird die Vespa zum Inbegriff des Motorrollers. In Reportagen ausländischer Korrespondenten wird Italien als "das Land der Vespas" beschrieben. Die Rolle der Vespa in anderen Ländern wird von der Präsenz der Vespa in Hunderten von Filmen dokumentiert.
Arbeiter und Ärzte, Priester und Kaufleute, Beamte und Filmstars schwangen sich auf den Roller. Die Vespa motorisierte den italienischen Klerus und bekam Audienz beim Papst.

Die Fähigkeit der Vespa, durch die ständige Variation ihres Images, verschiedene Generationen von Jugendlichen anzusprechen ist beeindruckend.
Sie war das erste Fahrzeug für die Mobilität aller. Danach ein Roller für die Zeit des ökonomischen Wirtschaftwunders. In den sechziger und siebziger Jahren war sie das Fahrzeug für die Jugendlichen, die mit Ihren revolutionären Ideen dieser Epoche Ausdruck verliehen. Werbekampagnen wie "Wer Vespa fährt, isst Äpfel", haben eine ganze Epoche unserer Geschichte geprägt. Im Wechsel der Jahrzehnte war Vespa Sprachrohr und Ausdruck der Gesellschaft. Sie hat die Fähigkeit, die gesellschaftlichen Entwicklungen zu erfassen und die neuen Trends der Mobilität umzusetzen.

Vespa vermittelt seit jeher eine Botschaft,
eine starke Idee, ein Signal des Jetzt und Heute. Heute ist sie städtisch geprägt. Dies ist der Grund, warum die Leute die heutzutage Vespa fahren, die Grossstadtkultur am intensivsten ausleben. Die Vespa verkörpert die positive Vision der "lebendigen Stadt" und wird zum Ausdruck derselben. Der Umstand, dass die Vespa immer aktuell und nie nostalgisch ist, macht aus ihr einen "lebendigen" Mythos, oder besser gesagt ein Kultobjekt. Sie bringt ihre eigene Persönlichkeit zum Ausdruck und verkörpert einen "zeitlosen Stil", der zwar stets sein "Gesicht" ändert aber nie sein eigenes Wesen verrät.

Als Musterbeispiel für gute Gestaltung
eines Industrieprodukts fand sie ihren Platz im New Yorker Museum of Modern Arts, und die Zeitschrift "Fortune" zählte sie schon 1961 zu den 100 klassischen Designs des 20. Jahrhunderts.
Nicht überlegene Technik, sondern ihre gänzlich untechnische Ausstrahlung lud die Menschen ein, sich einem Vespa-Sattel anzuvertrauen - darunter viele, die sich nie auf ein Motorrad gesetzt hätten. Was die Vespa auszeichnete, waren ihre fliessenden, gern als weiblich beschriebenen Formen, die den Fahrer noch heute schützend umschliessen und leichtfüssige, unbeschwerte Fortbewegung verheissen. Leichtigkeit und Beweglichkeit waren ihre Schlüsselbegriffe. Der filigrane, fahrradähnliche Lenker der ersten Baujahre war Strategie und sollte die Mühelosigkeit des Vespafahrens unterstreichen. Keine völlig neue Tendenz im Jahr 1946, wenn man an das Tropfen-Design stromlinienförmiger Luxuswagen aus den dreissiger Jahren denkt, und dennoch im Trend: Ein Jahr später stellte der Modezar Dior in Paris die Wespentaille vor, die Nierentisch-Ära folgte. Das Spiel der Rundungen und Durchblicke der Vespa findet Entsprechungen sogar in abstrakten Plastiken von Henry Moore und Hans Arp. Doch gute Form allein macht noch kein erfolgreiches Produkt.

Vespa und ihre Werbung.
Vespafahrer dürfen auch später aufstehen und kommen frischer an ...
Mehr als das technische Produkt an sich wurden die Menschen, ihre Wünsche und Sehnsüchte zum Angelpunkt der Vespa-Werbung. So konnte ein Anzeigenmotiv die Vespa unter dem auf ihm sitzenden Paar einfach weglassen und verkünden: "Zu ihrem Glück fehlt nur die Vespa". Natürlich spielte sie in Filmen mit, in "Roman Holiday" sogar die dritte Hauptrolle. Sie war der Star unter den Stars in der ersten italienischen Fernsehübertragung und ein Symbol der sozialen Abgrenzung englischer Mods von den proletarischen, motorradfahrenden Rockern im "Who"-Musikspektakel "Quadrophenia". Noch 1995 kurvte Gianni Moretti auf seiner schwarzen Vespa durch den Rom-Film "Liebestagebuch". Die Zahl der Stars und Prominenten, die sich auf einer Vespa ablichten liessen, ist Legion - von John Wayne bis Helmut Kohl.

Lebensfreude verströmten seit 1951 die Vespa-Kalender
deren erste Jahrgänge Sammlern als Ikonen gelten. Dazu kamen Sporterfolge, Rekorde und spektakuläre Expeditionen. Vespa-Clubs veranstalteten internationale Treffen mit Tausenden von Teilnehmern. Kaum irgendwo fand die Europa-Idee grössere Resonanz. Ein poetisches Denkmal setzte der Vespa Peter Roos mit seinen Büchern.




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