www.werbewolf.ch...MÄRZ-NEWS 2007
In vino veritas. Oder: Holzchips statt Eichenfass - der neue Trend?
Nicht umsonst werden Weine traditionell im Eichenfass ausgebaut. Denn nur so kommen im Laufe einer mehrmonatigen Lagerzeit im Barrique (Original: 225 Liter Eichenfass) die Tramine und bis zu achtzig weitere Aromastoffe aus dem frischen Holz in den Wein. Diese verleihen ihm dann den typischen vanille- oder zimtartigen Beigeschmack. Geht das nicht einfacher - und speziell rentabler - mit Holzchips?
Warum Holzfässer
Der natürliche Geschmack
des Holzes hängt vom Alter der Eiche, Standort und Holzstruktur
ab. Je feiner die Struktur des Holzes, desto grösser der
Einfluss auf den Wein. Um weitere Noten hinzuzufügen wird
Eichenholz vor dem Einsatz in einem so genannten «Toasting»-Verfahren
(Ankohlen) geröstet. Das Holz also an der Innenseite mit
Feuer ausgebrannt und in drei Kategorien eingeteilt: leicht, mittel,
stark. Das so getoastete Holz gibt dann während der Lagerung
Aromastoffe an den Wein ab und veredelt so seinen Geschmack. Durch
den Sauerstoff der durch die Holzporen gelangt, wird der Reifeprozess
in Gang gesetzt. Durch Mikrooxidation werden die Struktur, die
Farbe und der Tanningehalt beeinflusst.
Im Edelstahltank dagegen findet keine Oxidation statt, weil kein
Sauerstoffaustausch möglich ist. Diese wird durch eine Sauerstoffzugabe
eingeleitet, um den gleichen Effekt wie beim Barrique zu erzielen.
Trend kommt
aus den USA
Schlaumeier in den USA
kamen auf die Idee, statt teure Holzfässer zu benützen,
einfach Holz-Chips zum Aromatisieren des Weines in den Stahltank
zu werfen. Seither ist das Verfahren dort gang und gäbe.
In der EU sind solche Methoden zwar teilweise zugelassen (*),
doch wird es wohl nicht lange dauern bis Brüssel, aus Gründen
der Chancengleichheit, dem Druck der hiesigen Winzer nachgeben
muss.
Funktioniert
es auch?
Grundsätzlich bleibt
das Holzaroma im Wein dasselbe und ökologisch könn(t)en
so mit der gleichen Menge Holz viel mehr Weine «veredelt»
werden. Daraus ergibt sich, dass einfache «billige»
Weine durchaus mit dem Holz-Chipsystem aromatisiert werden können.
Doch bei hochwertigen Weinen ist es nicht möglich.
Chips ergeben
keine Barrique-Reifung
Während Chips den
Wein nur aromatisieren, ist die Barrique-Reifung doch komplexer.
Grundsätzlich lässt sich die wichtige Atmung des Weines
durch die feinen Poren der Eichenfässer nicht abkürzen
oder beschleunigen. Neben den eingangs erwähnten Faktoren
können sich zudem positive und wichtige Weineigenschaften
wie Vitalität, Lagerfähigkeit, Komplexität, Geschmack
usw. nur im Fass entwickeln.
Chip Herstellung
und Einsatz
Auch Chips (meist Reste
aus der Fassherstellung) werden mit Heissluft in unterschiedlichen
Graden «getoasted». Dann kommen die verschiedenen
Chip-Grössen zum Einsatz, die als Späne oder Pulver
dem Wein zugegeben werden. Wann und wie viel hängt von vielen
verschiedenen Faktoren ab und kann der Rebsorte und der Weinqualität
angepasst werden. Je mehr Struktur ein Wein hat, desto mehr Holz
kann er vertragen.
Holzchips können in Stahltanks wie auch ausgelaugten Barriques
angewendet werden.
Alternativen
zu Barrique und Chips
«Inner staves»
sind dünne Eichenholzlatten in unterschiedlichen Toastgraden
die im Inneren von Weintanks vor der Befüllung fest montiert
werden. «Stakvats» (Stapeltanks) sind australische
Spezialtanks die eine Möglichkeit des Holzkontaktes mit Wein
anbieten. Sie haben einen kubischen Edelstahlkörper mit getoasteten
Seitenwänden aus Eichendauben die je nach Bedarf erneuert
werden können. Vergleichbar mit Holzfässern gelangt
Sauerstoff in den Wein. Zusätzlich lassen sich in die «Stakvats»
auch «Inner staves» einbauen. Dabei ist aber grundsätzlich
der Holzeinfluss immer noch geringer als bei einem neuen Barrique.
Fazit: Werden
Winzer zu Chemiker?
So schlimm ist es noch
nicht. Doch sei die Frage erlaubt wohin das noch führt. Wohl
haben neutrale Geschmackstest ergeben, dass «Chip-Weine»
nicht besser oder schlechter schmecken.... Doch ist auch das teilweise
wohl eine Glaubensfrage wie verschiedene Weinforen zeigen. Grundsätzlich
geht die Meinung dahin, dass Holzchips (oak chips) für günstige
Weine (die man ja meist auch nicht lange lagert) durchaus Sinn
machen. Pech nur, dass man auf den Etiketten meist keinen Hinweis
findet oder dann gganz klein «oaked». Doch «grosse
Weine» werden wohl weiterhin im Fass ausgebaut und nie «Fabrikweine»
werden.
---
* Chips im Wein in einzelnen Ländern
Ende 2005 haben sich die
EU-Mitgliedstaaten bereits darauf geeinigt, die Verwendung von
Eichenchips zu erlauben. Innerhalb der einzelnen Staaten gibt
es jedoch nach wie vor verschiedene Regelungen.
Während in Deutschland
ab der Qualitätsstufe
Kabinett die Holzfassimitate untersagt sind und somit Weine mit
QbA-Status und alles, was darunter liegt, «aufgemotzt»
werden dürfen, hat Italien
die Chips nur für die Stufe «Vino da Tavola»,
also die unterste Kategorie freigegeben. Österreich erlaubt
seinen Winzern alles. In Frankreich sind Eichenchips für alle Weine kontrollierter
Herkunft (AOC) verboten. Allerdings können in folgenden AOC
Gebieten weiterhin mit Genehmigung Versuche mit Chips durchgeführt
werden: Côtes du Rhône, Médoc, Haut-Médoc,
Bordeaux, Bordeaux Supérieur, Muscadet und Anjou. Spanier sinnieren noch, die Portugiesen ebenfalls.
In der Schweiz
hat der Bundesrat eine Anpassung
an Edas U-Lebensmittelrecht verabschiedet damit mit Eichenchips
gearbeitet werden kann. Eine Aufnahme in die AOC-Bestimmung der
neuen Agrarverordnung ist geplant, wobei den Kantonen erlaubt
wird zusätzliche resp. einschränkende Regelungen zu
erlassen. Zudem wird die Qualität der Holzspäne definiert.
© Text: Ueli Wolfensberger
auf Basis von Facts eines Master Sommeliers
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