www.werbewolf.ch...NOVEMBER-NEWS 2005


«Da ist der Wurm drin»

Dieses Sprichwort führte zu folgender Geschichte ...

Das Telefon.
Das Telefon klingelte als sie eben den selbst gemachten Apfelkuchen in den vorgewärmten Backofen schob. Auch das noch, dachte sie, schloss die Backenofentüre, stellte schnell und routiniert den Timer ein und nahm den Hörer in die Hand.
«Wurm» hörte sie nur, und nochmals «Wurm». Sie war sprachlos.
Dann fragte sie «ja was ist Herr Wurm».
«Nein, nein kein Herr ­ nur Wurm, einfach Wurm!».
Was soll das, sie verstand nur immer Wurm und suchte sich an jemanden mit diesem Namen zu erinnern. Einen solchen Namen hätte ich mir doch gemerkt, dachte sie. Aber es fiel ihr niemand ein und darum sagte sie leicht verunsichert:
«Ich kenne keinen Herrn Wurm, warum rufen sie mich an?»
«Aber, aber wir haben uns doch erst kürzlich getroffen und sie erinnern sich schon nicht mehr an mich?»
Peinlich betroffen antwortete sie «nein, entschuldigen sie aber ich kann mich wirklich nicht an sie erinnern.»
«Aha, das höre ich aber gar nicht gerne. Sie haben doch über mich gelästert. Ich höre es noch deutlich, so eine Schweinerei haben sie angeekelt gesagt, als sie mich sahen.»
Sie verstand den Anrufer immer weniger, denn es war nicht ihre Art so zu reagieren.
«Das kann ich fast nicht glauben, wann soll denn das gewesen sein?»
«Na, eben, erst kürzlich, wie ich schon sagte, und ich möchte ihnen einfach sagen, dass man nicht so reagiert. Ich bin sehr empfindlich und im tiefsten Herzen betroffen.»
Das gibt es nicht, da leistet sich jemand einen Scherz mit mir.
«Also um was geht es nun?» fragte sie nun doch leicht verärgert.
«Eben, darum geht es, dass ich beleidigt bin, nicht mehr und nicht weniger».
«Und, was erwarten sie nun von mir?»
«Dass sie sich entschuldigen, das genügt mir.»
«Na gut, wenn sie dann Ruhe geben, ich entschuldige mich bei ihnen.»
«Oh, das höre ich gerne ­ auf wiederhören!»
Wache ich gleich aus einem Traum auf, fragte sie sich. Doch es war kein Traum. Nicht der Wecker klingelte, sondern der Timer des Backofens. Sie nahm den Apfelkuchen heraus, stellte ihn zum Auskühlen auf ein Gitter und beschloss dabei gleich ihre Freundin anzurufen. Deren Nummer war auf dem Handy gespeichert das sie üblicherweise auf der Kommode im Flur ablegte. Doch dort war es nicht. Ebenso nicht in der Handtasche und auch nicht in der Küche. «Wo ist es bloss» sagte sie zu sich und erinnerte sich es am Morgen in die Küche mitgenommen zu haben. In Gedanken ging sie darum den Ablauf der letzten Stunden noch einmal durch. Mehr zur Sicherheit, denn aus Gewissheit sah sie auch im Kompostkübel nach in den sie die Apfelschalen geworfen hatte. Und wirklich ­ da inmitten der Apfelschalen lag ihr Handy ­ und daneben krabbelte der Wurm herum den sie heute Morgen in einem der Äpfel gefunden hatte ... ­ der Wurm?

© Ueli Wolfensberger


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