www.werbewolf.ch...MÄRZ-NEWS 2007
Eingewandert und abgeschossen!
Oder: Wie ausländerfeindlich ist die Schweiz (eine Fabel)
Nun ja es kommt wohl nicht von
ungefähr, dass immer weniger Touristen nach Italien kommen.
Auch sonst ist hier nicht mehr alles so gemütlich und südländisch
wie es einmal war. Und das nicht nur wegen dem Rauchverbot. Also
nicht erstaunlich, dass ich, wie schon viele meiner Vorfahren,
von hier fort wollte. Doch wohin? Auf einem meiner Streifzüge
sah ich ein Plakat mit einem schönen markanten grossen Berg
voller Schnee in einer lieblichen Landschaft. Ich muss nordwärts
dachte ich mir. Wenn es in dieser Schweiz so schön ist wie
auf dem Plakat lässt es sich dort sicher besser leben. Aber
ohne Papiere ist es nicht ganz einfach über die Grenze zu
kommen. Doch, so überlegte ich mir, in der Nacht sind auch
alle Katzen schwarz. Und so werde auch ich auf Schleichwegen über
die «Grüne Grenze» kommen. Und es gelang mir
auch!
Und tatsächlich hier war alles viel sauberer das muss
diese Schweiz sein. Hurra! Ich habe es geschafft! So zog ich weiter
nordwärts, kam in ein schönes Tal und hatte doch das
beklemmende Gefühl, dass mich ein Teil der Leute hier nicht
mag und ich darum besser einen weiten Bogen um die hübschen
Dörfer mache. So zog es mich hinauf in die Wälder und
die Alpen. Ich hatte kein Geld. Mein Hunger wurde immer grösser!
Was sollte ich essen? Gras? Ich entdeckte eine Herde weisser Tiere
und dachte mir, dass es wohl kaum einer merken würde, wenn
ich ein solches töten und essen würde. Doch da hatte
ich mich geirrt. In den nächsten Tagen kamen immer mehr Menschen
in meine Nähe. Ich bekam Angst. Die Lage beruhigte sich aber
zum Glück wieder und so ass ich ein weiteres Schaf und dann
noch eines. Doch am 25. August 2006 ging es plötzlich richtig
los eine grosse Horde Menschen verfolgte mich. Tagelang.
Und dann - plötzlich wie aus heiterem Himmel - bekam ich
einen Einstich. Ich merkte, dass ich blutete. Doch ich rannte
weiter in den Wald hinein. Keuchte. Blutete. Beides immer stärker.
Brach zusammen. Mein letzter Gedanke: Dein letztes Stündchen
ist jetzt wohl in diesem schönen Tal abgelaufen..
Sein Augenlicht brach im Abendlicht. Und im letzten Augenblick
erkannte der Wolf, dass er wohl bald im Mondhimmel bei den anderen
Wölfen sein würde. Zu spät bereute er in diese
Schweiz gekommen zu sein. Hier war wohl alles schön und sauber,
doch für Fremde, fremdartiges, nicht gewohntes hat es hier
wohl nicht immer einen Platz sie sind schwarze Schafe
in einer kompakten Herde weisser Schafe.
Zugegeben so stimmt das nicht
ganz. Denn 76 Prozent der Schweizer Bevölkerung begrüssen
die natürliche Rückwanderung des Wolfes in die Schweiz.
Selbst im Wallis ist fast die Hälfte für den Wolf und
in Graubünden lebt seit fünf Jahren ein Wolf in freier
Wildbahn. Für die im 19. Jahrhundert ausgerotteten Wölfe
im Wallis und die in den letzten Jahren abgeschossenen Wölfe
aber ist das kein Trost mehr.
Zitat aus der NZZ: «Der Umgang mit dem Wolf ist in der Schweiz
ein Flickwerk, ein Probieren, im besten Fall ein Lernprozess,
sofern überhaupt Lernwilligkeit festgestellt werden kann.
Die Diskussion über die Wiederansiedlung des Wolfes hat seit
zehn Jahren kaum neue Resultate, geschweige denn Annäherungen
zwischen Wolfsgegnern und Wolfsfreunden gebracht.»
Oder wie die Schweizer Familie schrieb: « ... der Widerstand
kommt schon in einem Brief des kantonalen Jagdinspektors aus dem
Jahre 1995 klar zum Ausdruck: «Ob die Rückkehr des
Wolfes natürlich oder künstlich sei, ist ein Argument
allergrösster Fantasie, da man ja auch Menschen zurückweist,
die in unserem Land unerwünscht sind.» Was spielt sich
da ab, wenn Wölfe gleich sein sollen wie Asylbewerber, wenn
der Kanton mit Hunderten von Mannstunden des Staates Wölfe
jagt wie Schwerverbrecher und dabei auch Gerichtsentscheide ignoriert?»
Im Februar 2007 kam der Wolf im Wallis nochmals in die Schlagzeilen
nachdem das Kantonsgericht dem WWF bezüglich dem Wolf Recht
gegeben hatte.
© Text: Ueli Wolfensberger
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