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SONNTAGMORGEN DAHEIM
Wir war das gleich an jenem Sonntag?
Eigentlich fing er ja gemütlich an wie immer. Der Vater sass
im Morgenrock mit der Zeitung in der Hand unrasiert am Tisch.
Neben ihm die Mutter mit den Lockenwicklern in den Haaren. Neben
ihr die Tochter mit einem Frotté-Tuch wie ein Turban über
den noch nassen Haaren und der Junior wie immer mit verschlafenen
Augen und einem von der warmen Ovo verschmierten Mund.
Eigentlich war alles wie immer ...
Ja fast wie immer Denn plötzlich verschüttete der Vater
Kaffee aus dem Kaffeekrug worauf das ganze Tischtuch die Farbe
von zartrosa zu dunkelbraun, ja fast schwarz, wechselte. Die Mutter
eben dabei dem Junior das zweite bestrichene Brot zu geben erschrak
dermassen, dass sie es mit der bestrichenen Seite nach unten fallen
liess. Und das mit Erdbeerkonfitüre! Der Junior, zuerst erstarrt
vor Schreck, prustete plötzlich laut heraus, nicht ohne dabei
die letzten Bissen des Brotes, an dem er eben noch gekaut hatte,
auszuspucken. Die Tochter, die immer schreckhafte Tochter, schoss
von ihrem Stuhl auf worauf dieser umkippte, die Bodenvase hinter
ihrem Stuhl traf und sich diese in tausend Stücke auflöste.
Ja das war kein normaler Sonntagmorgen.
Es schepperte und klirrte! Doch nur der Junior hatte seinen Spass
daran und lachte laut heraus bis er die Hand seines Vaters
spürte und das Lachen seinem Geplärre wich. Mutter schrie
auf, Tochter weinte, Sohn schniefte und heulte, Vater war zornesrot
hei, das war kein Sonntag wie sonst.
Auf dem Tisch vermischte sich der Kaffee mit der Konfitüre
des Brotes und den ausgespuckten Bröseln vom Junior. Die
Tochter, barfuss an den Tisch gekommen, trat zu allem Unglück
jetzt auch noch in eine Scherbe der Vase worauf sich der helle
Teppich am Rand blutrot zu färben begann. Mutter wollte ihr
helfen, schnitt sich jedoch ebenfalls, wenn auch in die Hand und
rannte darum ins Badezimmer zum Apothekerschränkchen.
Nun war auch Junior plötzlich ruhig. Erschrocken sass er
an seinem Platz. Blickte zum Vater dann zur Schwester. Diese sass
noch immer am Boden, drückte ihren Fuss und weinte. Nur der
Vater blieb cool. Er fragte dieTochter wie lange sie das Blut
noch laufen lassen wolle und ob sie die Blutung nicht stoppen
wolle, bevor der ganze Teppich versaut sei.
Die Tochter brüllte mit verweintem Gesicht zurück wer
denn Schuld daran sei! «Schrei nicht so herum» blaffte
der Vater zurück, «das kann schliesslich jedem einmal
passieren».
«Aber als ich gestern die Cociflasche aus dem Kühlschrank
genommen habe und fallen liess hast du das nicht gesagt»,
motzte der Junior ganz mutig. Vater konnte eben seine Hand die
auf dem Weg zu Juniors Ohren waren noch anhalten. «Das ist
doch was ganz anderes, du weisst, dass du Mutter fragen musst,
bevor du Coci nimmst».
«Lasst das jetzt» sagte Mutter und setzte sich neben
die Tochter. Sie verpflasterte deren Fuss und strich ihr dann
liebevoll über den Kopf. «So, nun wollen wir den Tisch
sauber machen» hörten alle Mutter sagen. Doch niemand
regte sich. Alle starrten wie gebannt auf das Kunstwerk auf dem
Tisch. «So eine Schweinerei hatten wir aber noch nie»,
meinte Junior trocken und sah zu wie der Vater die Kaffeekanne
in die Küche brachte. Auch Mutter hatte sich erhoben um abzuräumen.
Nur die Tochter hatte genug von diesem Sonntag und zog sich in
ihr Zimmer zurück. Junior schaute seinen Eltern zu und konnte
sich ein Schmunzeln nicht verkneifen das war eine Geschichte
die er am Montag in seinem Aufsatz schreiben konnte. Jetzt hatte
er endlich eine Geschichte zum vorgegebenen Thema: SONTTAGMORGEN
DAHEIM.
Was Sie eben gelesen haben war seine Geschichte die er am Montag
mit einem lächelnden Gesicht in sein Heft schrieb ...
© Ueli Wolfensberger
(15 Minuten «ad hoc Texterei» während einem Creativewriting-Seminar)
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