www.werbewolf.ch...MAI-NEWS 2007
In vino veritas
Oder: Haben Naturkorken auf die Reifung des Weines einen Einfluss.
Immer mehr Weine haben alternative Verschlussformen. Nach und nach haben oder mussten wir das akzeptieren. Doch auch wissenschaftliche Studien bringen Verfechter von Naturkorken immer mehr in Bedrängnis. Ihnen gehen je länger je mehr die rationalen Gründe aus. Noch immer wird behauptet, dass Naturkorken einen Einfluss auf die Reifung des Weines haben. Stimmt das?
Ausgangslage:
Korkmangel
Die Korkeiche wächst
in einem geographisch eng begrenzten Raum und weigert sich standhaft
gegen etwaige Um- und Ansiedelungsversuche. Portugal dominiert
den Markt und verfügt über einen Drittel der globalen
Anbaufläche und der Hälfte der Korkproduktion. Es folgen:
Spanien, Algerien, Marokko, Tunesien, Italien und Frankreich.
Um die stete Nachfrage, speziell aus Amerika, Südafrika und
Australien überhaupt noch decken zu können wurden auf
vielen Eichenhainen die Ernteintervalle verkürzt. Das steigerte
zwar kurzfristig die Ausbeute schmälerte aber die Zapfenqualität.
Wegen dem sinkenden Güteniveaus und der immer knapper werdenden
Ressourcen mussten daher, wohl auch aus Kostengründen, Alternativen
gefunden werden.
Test bringt
es an den Tag
Ein Weininstitut in Australien
wollte es genau wissen. Bei diesem Test wurden 300 Weissweine
unter denselben Bedingungen mit vierzehn (!) verschiedenen Verschlüssen
verschlossen. Vom Naturkorken, über Schraubverschlüsse
bis hin zu Synthetik-Materialien. Nach jeweils sechs Monaten wurden
die Weinproben genau analysiert. Nach eineinhalb Jahren stand
fest: Es gab wohl tatsächlich alternative Systeme unter denen
der Wein deutlich schlechter reifte. Es gab aber auch welche die
gut abschnitten und sogar solche die gegenüber dem Korken
besser abschnitten Sprich: Den Wein besser reifen liessen als
mit Korkverschluss.
(Quelle Australien Journal of Grape and Wine Research 2/2001)
Muss es wirklich
Kork sein
Nehmen wir als Beispiel
Luxus-Champagner. Gewusst, dass der berühmte Naturkorken
erst kurz vor dem Versand in die Champagnerflasche kommt?
Champagner reifen in den Kellern über Jahre hinweg zur perfekten
Reife heran. Doch sie sind dabei mit nichts anderem verschlossen
als mit profanen Kronkorken wie man sie noch von Bierflaschen
her kennt. Das zeigt, dass Kork nicht zwingend ist.
Lassen Korken
den Wein «atmen?
Eine diesbezüglich
oft gehörte Behauptung lautet: Der Wein müsse «atmen»
können. Für die Reifung des Weins sei es daher wichtig,
dass er über Jahre hinweg die minimale Möglichkeit des
Luft-Austausches durch die Poren des Korks habe. Auch diese These
wird durch die Wissenschaft widerlegt. Selbst hermetisch abgeschlossene
Weine reifen ohne Korken bestens heran. Der Grund: Der in der
Flache vorhandene Sauerstoff genügt vollkommen aus.
An sich eine Faktum, dass jedem Sammler bekannt ist. Er weiss,
dass je dichter der Korken über die Jahre hinweg gehalten
hat - je wenige also der Wein «geatmet» hat - desto
besser ist der Wein in seinem Reifeszustand. Und um so teurer
wird er meist gehandelt. Nicht umsonst hat man früher die
besten Tropfen mit Siegellack verschlossen.
Kork lässt
den Wein verdunsten
Es ist eine Tatsache,
dass durchlässige Korken den Wein über Jahre hinweg
«verdunsten» lassen. Der Beweis: Die Füllhöhe
an der Schulter oder im Flaschenhals nimmt ab. Doch der Grund,
dass solche Weine an Wert verlieren liegt vielmehr darin, dass
der eingedrungene Sauerstoff den Wein schneller als nötig
hat reifen lassen. Darum wird bei Versteigerung immer die Füllhöhe
angegeben.
Fazit
Liest man Fachzeitschriften
und Foren zum optimalen Weinverschluss, erkennt man schnell, dass
die Diskussion darüber noch Jahre dauern wird. Aber abgesehen
von emotionalen Gründen gibt es wohl wenig rationale Gründe
die für den Kork sprechen. Aber eben: Weintrinken ist für
viele auch eine Zeremonie. Eine Tradition zu der «echte
Korken» nun einmal gehören. Ein Mouton Rothschild mit
Drehverschluss ist ja auch schwer vorstellbar. Und wwäre
der 1787er Château d'Yquem so verschlossen gewesen, hätte
er im Februar 2006 wohl nicht bei einer Versteigerung den Wert
von rund 90'000 Dollar (!) gehabt.
Alternativen ja aber sicher nicht jene schwarzen, roten
und blauen Kunststoffzapfen die in den letzten Jahren selbst von
renommierten Weingütern verwendet werden. Mir persönlich
sind «echte Korken» immer noch lieber als diese modernen
Plastikkorken. Um so mehr, wenn diese von so schlechter Qualität
sind, dass sie sich fast nicht «rausziehen» lassen.
Oder, wie kürzlich geschehen der obere Flaschenhals bricht
aber der Plastikkorken noch immer drin steckt Prost!
© Text: Ueli Wolfensberger
auf Basis von Facts eines Master Sommeliers
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