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Versprecher - Tippfehler des Mundes.
Versprecher-Sammlungen aus Politik, Radio, TV usw. gibt es im Internet genügend. Nachfolgend eine Kurzfassung warum es zu Versprechern kommt und wie sie sich unterscheiden.
Können
wir uns beim Denken versprechen?
Wenn ein Redner die Mitglieder
des Männerchors mit: «Sehr geehrte Damen und Herren»,
anredet, ist das nicht ein Versprecher sondern ein grober Schnitzer.
Ebenso jener Redner der zu einem Vortrag von Hundefans geladen
war. Er wollte eine originelle Einführung machen und beklagte
sich dabei, dass er eben auf der Strasse in Hundekot getreten
sei und er das für eine grosse Schweinerei halte. Ein ganz
dummer Versprecher passierte jenem Redner der die Anwesenden mit
«sehr geehrte Vorschussmitglieder» begrüsste,
obwohl er eigentlich «sehr geehrte Vorstandsmitglieder»
sagen wollte, und sein Ziel der Rede war, eben von diesen Vorstandsmitgliedern
einen Vorschuss zu bekommen.
So wie man sich halt hie und da vertippt, so versprechen wir uns etwa bei jedem tausendsten Wirt - äh Wort. Es gibt von Komikern bewusst eingesetzte Versprecher, peinliche auf der politischen Bühne, humorvolle im Alltag und auch welche bei den Profis von Radio und Fernsehen.
Geschichtlicher
Hintergrund
Schon 1895 sammelte der
in Wien wohnende Literatur- und Sprachwissenschaftler Rudolf Mehringer
Versprecher. Er erstellte damit die erste Sammlung mit etwa viertausend
beschriebenen Versprechern. Bei seinen Beschreibungen von Sprechfehlern
geriet er jedoch mit Sigmund Freud aneinander, der eine andere
Interpretationsrichtung bei der Beobachtung von Sprachfehlern
hatte: Die legendären Freudschen Versprecher. Sie sollen
Indizien sein für die geheimen Wünsche und Ängste
des «Unbewussten».
Zum Beispiel, wenn er ihr sagt: «Der Abend mit dir war sehr
Bett.» Neurologe Carl Mayer wiederum hat Versprecher als
«Fenster zu unserer Sprachkenntnis» definiert.
Zweigleisiges
Denken
Auch wenn man dem skeptisch
gegenübersteht, scheint es, dass viele Versprecher aus einem
«zweigleisigen» denken resultieren, Etwa:
«Was trinken wir zum Bier?». «Hast du Hunger
oder willst du was essen?» «Die reizt nicht mit Geizen.»
«Zum Urteil verscheitert.» «Wir waren mit Kollegen
Pilze fangen.» «Dein Wassertropfer kocht.» «Man
darf sich eben nicht in die Ärzte von Händen begeben.»
Was sind die
Gründe
Wenn wir uns bei formal
oder semantisch ähnlichen Wörtern (Klang oder Bedeutung
nahe stehend) «verhaudern», dann wohl, weil die Sprache
uns diese Varianten versehentlich zur Verfügung stellt oder
Assoziationen ausgelöst werden.
Beispiele dafür sind:
- Konfektpapier statt Konzeptpapier
- Ein Kind abonnieren, statt ein Kind adoptieren
Christian Morgenstern brachte das in seiner satierischen Monatsliste
auf den Punkt: Jaguar, Zebra, Nerz, Mandrill usw.
Lexikalische
Elemente
Zu einem ungewollt logischen
Gegensatz kam es hier. «Da muss man eben die Schönheitsfehler
durch andere Mängel kompensieren.» Was beweist: Je
mehr Gemeinsamkeiten lexikalische Elemente haben um so grösser
ist die Wahrscheinlichkeit einer «Fehlaussage».
Gewusst? Unser
Hirn hat zwei Wortsatzspeicher
Die Fachwissenschaft nennt
es «inneres Lexikon». Offensichtlich haben wir im
Gehirn zwei verschieden organisierte Wortsatzspeicher: Einer nach
dem Klang der Wörter und der andere nach ihrer Bedeutung,
was wiederum zu Versprechern führen kann:
«Unter Anwendung von Bronchialgewalt.»
«Das war wieder ein schöner Verbrecher».
«Und nun einen kleinen Stinkspruch».
Kontaminationen
Dazu zählen all jene
Aussagen und damit Versprecher die auf Ausdrucks-Kreuzungen beruhen
oder in denen konkurrierende Wörter oder Wendungen miteinander
verschmolzen werden. Die Sprache stellt uns zwei oder mehr gleichwertige
Varianten zur Wahl und unsere Sprachplanung entscheidet sich für
die oder andere Variante, oder macht daraus eine Mixtur. Beispiele:
«Unruhestörer»
«Kabellitenfernsehen» (Kabel und Satellit)
«Bist du noch von allen guten Geistern zu retten?»
Erstaunlich ist, dass solche Kontaminationen auch in die Alltagssprache eingegangen sind: Gebäulichkeiten (Gebäude und Baulichkeit)
Lautumstellung
und Positionstausch
Vertauscht werden dabei
gerne:
Anlaute: «Grillengläser» (Brillengläser)
Vorsilbe gegen Vorsilbe: «Die Einsehung hat ein Vorsehen.»
Stamm gegen Stamm: «Der erste fleischliche Weibergeselle»
Wort gegen Wort: «Die Milo von Venus».
Andere solche Formen sind:
«Wir bitten alle Autofahrer die Gegend weiträumig umzufahren.»
«Wesserbisser sind nicht sehr beleibt.»
«Ich schlug mir ein paar Pfannen in die Eier».
«Erst ein heisses Bett und dann ins Bad»
«Reden ist Schweigen, Silber ist Gold».
Ungewollt können sie auch einen anderen Sinn ergeben:
«Manchmal schäme ich mich so, dass ich schwitze.»
Vorwegnahme
(Antizipationen)
und Nachklang (Postpositionen)
Auch hier lauern Gefahren
der Gesetzmässigkeit für Versprecher die schnell passieren.
Meist handelt es sich um Assimilationserscheinungen die teils
rückwärts und vorwärts gerichtet sind:
«Franzikaterpater»
«Kotzen-Nutzen-Analyse»
«Pillenklick»
Redensarten
verwechseln
hat oft weniger mit einem Versprecher als mit Unwissen zu tun
auch bei anderen Sätzen wie:
«Man muss die Leute
bei der Stange halten.»
«Das Eigelb vom Dotter trennen.»
«Ja ich reise viel manchmal bis 18 Monate pro Jahr!»
Versprechen
korrigieren
In mindestens 25 bis 50
Prozent der Fälle bemerkt der Sprecher seinen Fehler und
korrigiert. Es sind die bekannten «Korrektursignale»
wie:
«Ah», «Nein, ich mein(t)e», «Sorry,
also», «wollte sagen», «will heissen»
usw.
Ganz «modern» hört man oft nach einer Aussage
oder Statement den Zusatz: «....., das heisst».
Der Krux liegt nun darin, dass man sich oftmals gerade bei der Korrektur wieder verhaspelt. «Die Taubenhaucher sind von der Vogelgrippe, äh ... die Hauchentauber sind ... äxgüsi, die Trauben äh ... ach ich gebe es auf! Also, diese Vögel sind von der Vogelgrippe bis jetzt nicht besoffen, äh.... betroffen!
Versprecher
oft nicht wahrgenommen
In Versuchen hat man festgestellt,
dass wenn Versprecher passieren, die Zuhörende diesen oftmals
gar nicht hören oder bewusst wahrnehmen, sondern den Fehler
mit dem eigenen Sprachwissen richtig interpretieren. So oder so
manchmal sind Versprecher in einer langweiligen Rede doch
gerade das Salz in der Puppe ... - womit wir wieder beim Tippfehler
* sind.
Ablauf vom
Gehirn bis zum Mund.
Oder die Ursache von Versprecher.
Was wir sagen wollen
der Ablauf eines Sprechvorganges hat vom Gehirn ausgehend
einen fixen im Hochgeschwindigkeitstempo abgehenden Ablauf: Zuerst
ist ein simultaner Gedankenkomplex da als Äusserungsgehalt
(was wollen wir sagen). Er ist «abstrakt » und konkretisiert
sich nun zu einem Satzschema mit bestimmten Betonungsstellen.
In diese «Leerform» werden nun aus dem inneren Lexikon
abgerufene Speicherelemente eingegeben. Zuerst sinntragende Inhaltswörter
(Substantive, Verben, Adjektive). Später ergänzende
«Formwörter» (Pronomen, Konjunktionen, Präpositionen
usw.) die lediglich grammatische Funktionen erfüllen.
In dieser Frühphase kommt es nun zu semantisch bedingten
Versprecher (nikotinfreier Kaffee), zu den oben beschrieben Kontaminationen
(sei mir nicht übel) und den Wortvertauschungen. Nun folgt
die Ausspracheplanung in der Wortverwechslungen aus Lautgründen
passieren (Supernächte, statt Supermächte). Dazu kommen
die anderen artikulatorisch bedingten Versprecher, hauptsächlich
Antizipationen, Postpositionen und Lautumstellungen (wolkig bis
weiter).
Dann entscheidet es sich: Versprecher oder nicht versprochen!
* «Lassen sich Tippfehler vermeiden»
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