www.werbewolf.ch...JANUAR-NEWS 2007
Nomen est omen
Kommt aus dem Lateinischen
und heisst so viel wie «der Name ist ein Vorzeichen».
Aber ist es wirklich so, dass der Name einer Person oder einer
Sache schon Schlüsse auf den Namensträger zulässt?
Besonders interessant ist diese Frage, wenn es sich um neu erfundene
Eigennamen handelt, z. B. um Markennamen. Nicht einfacher wird
es, wenn Unternehmen lang bewährte Namen infolge Fusion oder
«Globalisierung» ändern. Aber gelingt dies auch
immer?
Problem der
Namensfindung
Die zunehmende internationale Verflechtung erfordert bei weltweit
mehr als zehn registrierten Marken eine systematische Herangehensweise.
Lediglich 1'300 gemeinsame Wörter innerhalb der sieben Hauptsprachen
der EU und durchschnittlich zwei bis drei schutzfähige Markennamen
aus 20 in die engere Wahl gezogenernMarkennamen verdeutlichen,
wie schwierig es heute ist, einem Unternehmen oder Produkt einen
Namen und damit eine eigene Persönlichkeit zu verleihen.
Emotionen spielen
mit
Die Problematik liegt wohl auch darin, dass immer mehr Unternehmen
in mehreren «Sparten» (Thema Holdings) tätig
sind oder die eine die andere übernimmt, fusioniert usw.
und das auch in einem neuen Namen zum Ausdruck bringen will. Dass
dies aber nicht immer gleich einen neuen Namen nach sich ziehen
muss beweist die SBB
(einer der stärksten
Markennamen in der Schweiz) mit SBBCargo. Auch in Deutschland
«bei der Bahn» machte man sich im Februar 2005 Gedanken
zu einem Namenswechsel. Spiegel Online ermunterte darauf Vorschläge
einzureichen. Innerhalb weniger Stunden trafen über 800 Namen
ein. Beweis genug wie emotional die Leute mit der Bahn resp. deren
Namen verbunden sind.
Manfred Gotta, international bekannter Namensschöpfer ist
der Meinung, dass er sich den Name Implenia gut
für »Damenbinden» vorstellen könnte, nicht
aber für das aus Zschokke und Batigroup fusionierte Unternehmen.
Das zeigt, dass emotionale Namen nicht immer passen. Wird Implenia
mit dem gewollten «Implentieren» assoziert? Versteht
man die Verbindung vom Bauunternehmen mit dem Blumen-Signet der
Gruppe?
Es stellt sich die Frage ob so nicht (auch noch) wertvolles Image
verloren geht das erst wieder und oft mühsam und teuer aufgebaut
werden muss.
Während Jahren bekamen wir Werbung von Mühlebach Papier
und, wenn ich an Papier dachte, kam mir dieser Name in den Sinn
an Antalis
musste ich mich erst gewöhnen.
Kennen Sie
Altria?
Nein? Aber sicher Philip Morris. Es wird berichtet, dass der Konzern,
um vom schlechten Image des Tabakkonzerns abzulenken, sich 2002
«umtaufte». Altria ist übrigens gemessen am Umsatz
der grösste Konsumgüterkonzern der Welt. Doch wie in
Umfragen festgestellt wurde ist Altria heute noch vielen Leuten
kein Begriff. Novartis
als weiteres Beispiel
ging aus der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy anno 1996 hervor.
Trotz damals mehrheitlich negativen Meinungen, konnte sich der
Name im Lauf der Zeit durchsetzen nur standen dafür
auch Milliarden zur Verfügung um den Namen zu positionieren.
Missraten
Erinnern Sie sich noch als der Flughafen Zürich auch so hiess
und noch nicht wie ab 2000 Unique Airport?
In Fachkreisen wohl das beste Beispiel für eine missratene
Namensgebung. Denn an sich hätte damals nur die Firma, nicht
aber der Flughafen umbenannt werden sollen. Und so heisst es auf
der Homepage heute: «Willkommen bei Unique (Flughafen Zürich
AG)». Gleich darunter führt Google «Zurich Airport»
auf.
Als weiteres missglücktes Projekt müsste in diesem Zusammenhang
wohl auch die SAir-Group aufgeführt werden umso mehr
da der Name Swissair wohl zeitlos gewesen wäre und
Millionen Franken hätten gespart werden können. Geblieben
ist der Kürzel Swiss und
ein Logo dessen Schweizerkreuz zuerst noch falsche Proportionen
aufwies.
(Nebenbei: Hintergründe und Analysen zum Grounding auf: nzz.ch/sr)
«Hier
kommt Alex»
titelten viele Medien
in Anlehnung an ein Lied der deutschen Punkrocker «Die toten
Hosen» nach der Bekanntgabe des Namens für die auf
Anfang 2007 geplante neue schweizerisch-deutsche Börse für
strukturierte Produkte, die «Alex» heissen sollte.
Markenrechte an dem Namen ergaben aber Probleme, darum wird bis
im zweiten Halbjahr 2007 ein neuer Name gesucht.
Alt und neu
wer ist wer
Adecco = aus Adia/Ecco macht durchaus Sinn da beide
Namen «erhalten» blieben. Amazys =
Gretag Macbeth schien gemäss Umfragen treffender zu passen.
Centerpulse
war einmal Sulzer Medica,
Conzzeta die
Zürcher Ziegeleien und Valora die
Merkur Holding
Fazit
Fachleute sind sich einig:
Nicht immer braucht es «A tout prix» einen neuen Namen
wie bei der (SBB) Krankenkasse ATUPRI.
Viel wichtiger ist, dass eine Marke professionell aufgebaut wird.
Häagen-Dazs welch ein Name! Kaum auszusprechen,
kein Bezug zum Produkt ... und doch: Die Glacé ist heute
eine der stärksten Marken der Welt.
© Ueli Wolfensberger, 1/07. Quelle: Zeitung, Bücher, Internet
Mehr zu Häagen-Dazs (Quelle: wikipedia)
Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist der Name Häagen-Dazs
keiner europäischen Sprache entliehen, sondern es handelt
sich um einen Kunstbegriff. Der Umlaut und das «zs»
werden deshalb nicht bei der Aussprache berücksichtigt. Der
Name sollte für die amerikanischen Konsumenten europäisch
aussehen und klingen und mit europäischer Tradition und Handwerkskunst
assoziiert werden. Um diesen Eindruck zu verstärken, ergänzte
Mattus das Firmenlogo in den Anfangsjahren um einen Umriss der
Landkarte von Dänemark.
Häagen-Dazs ist eine amerikanische Marke von hochpreisigem
Speiseeis. Die gleichnamige Herstellerfirma wurde 1961 von Reuben
Mattus in den USA gegründet. Von 1976 an wurden auch Eiscafés
nach dem Franchise-System betrieben.1983 verlor die Firma Häagen-Dazs
ihre Eigenständigkeit, als sie von dem amerikanischen Konzern
Pillsbury gekauft wurde. 2001 wurde Pillsbury von General Mills
übernommen. Durch ein 2001 geschlossenes Joint-Venture von
General Mills und dem Schweizer Nahrungsmittel-Konzern Nestlé
liegen die Rechte am Vertrieb und an der Marke Häagen-Dazs
für die USA seit 2001 über die kommenden 99 Jahre bei
Nestlé. Im Rest der Welt wird Häagen-Dazs weiterhin
von General Mills vertrieben.
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