www.werbewolf.ch...JUNI-NEWS 2006




Chester Carlson ­ der Erfinder der Xerographie wäre jetzt hundert Jahre alt.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gab es nur eine Möglichkeit Dokumente zu kopieren: Sie abzuschreiben. In der heutigen Zeit mit Laserdrucker, E-Mail und PDF wohl kaum mehr vorstellbar. Sicher Grund genug für einen Rückblick auf den Erfinder und die Xerographie. Dank ihr sind, gemäss Schätzungen, bis im Jahre 2004 etwa vier Trillionen Seiten auf xerographischen Druckern und Kopierer hergestellt worden. Ohne diese geniale Erfindung hätten wir heute keine Kopierer und Laserdrucker die weltweit auf Knopfdruck Milliarden von Druckseiten pro Jahr produzieren.

Chester Carlson, 1906 geboren, musste sein Physikstudium durch Gelegenheitsarbeiten finanzieren. Nach seinem Abschluss, in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, hatte er Schulden und keinen Job bis er von einer
Elektrofirma für die Patentabteilung angestellt wurde. Hier sah er nun wie die Patentschriften mühselig abgetippt und die Zeichnungen in die damaligen Kopieranstalten geschickt wurden. Carlson hatte bald die Idee im Kopf, dass das doch mit einer speziellen Maschine einfacher, billiger und rationeller gehen könnte.

Die Erfindung
So erfand der geniale Physiker vor 68 Jahren ein System mit dem sich Zeichnungen, Schriften. Manuskripte reproduzieren lassen: Indem er Materialien fand deren elektrische Eigenschaften sich bei Lichteinfall verändern, entdeckte er auch das Phänomen der «Photoleitfähigkeit». Zum Beispiel mit Schwefel und Selen.


1937 erhielt er mit obiger Skizze das Patent auf ein «Elektrophotographie» genanntes Verfahren. Nun musste Carlson seine Theorie noch in die Praxis umsetzen. Jahrelang experimentierte er in seiner Freizeit, in der er auch noch nebenbei Jura studierte. Er benutzte dazu auch Schwefel den er auf einem Herd in seiner kleinen Wohnung erwärmte, was die Nachbarn nicht sehr erfreut haben soll. Danach richtete er sich ein kleines Labor ein und stellte den Physiker Otto Kornei ein.

Der Durchbruch
Am 22. Oktober 1938 gelang den beiden endlich der Durchbruch: Er und seine Partner beschichteten eine Metallplatte mit Schwefel und rieben diese mit einem Baumwolltuch, damit sie sich elektrisch auflud. Dann legten sie eine Glasplatte darauf, auf der sie vorher mit schwarzer Tinte «Astoria 10-22-38» geschrieben hatten. Nun verdunkelten sie den Raum und beleuchteten die Platte mit einer starken Lampe. Darauf hin nahmen sie die Glasplatte weg und streuten Bärlappsamen auf die Schwefelschicht. Und siehe da: An beleuchteten Stellen war die elektrische Ladung verschwunden und die Partikel hafteten nur dort, wo die Schrift schwarz gewesen war. Nun drückte Carlson vorsichtig ein Blatt Wachspapier auf die Platte und übertrug damit darauf das getreue Abbild des Schriftzuges.

Geburtsstunde der Xerographie
Die Xerographie (griechisch trocken schreiben) auch bekannt aus Elektrofotographie war geboren. Damit legte Chester Carlson auch den Grundstein für das heutige Dokumenten-Management, obwohl schon seit Jahren vom papierlosen Büro gesprochen wird. Dokumente zeigen auf, dass der von Carlson verwendete Begriff
«Elektrofotographie» von Markenprofis nicht als optimal empfunden wurde und das System darum in «Xerographie» umbenannt wurde. Xerox wurde später von der Firma Haloid als geschütztes Zeichen für den Kopierer eingetragen.
Im Gegensatz zu anderen bekannten Produktionsverfahren (Fotografie usw.) die alle auf einem aufwändigen chemischen Nassprozess beruhten, hatte die Xerografie den Vorteil, dass es sich um einen physikalischen Prozess ohne Chemie handelte.

Rissen sich Hersteller nun um die neue Idee?
Nein die beiden Erfinder bekamen zuerst über zwanzig Absagen bis ihnen 1944 das Battelle Memorial Institute dreitausend Dollar gab um die Idee umzusetzen ­ gegen 75% (andere schreiben von 60%) der späteren Tantiemen!

Der erste Xerograph
Zwei bis drei Minuten musste man sich bei den ersten Geräten gedulden, denn für die Reproduktion waren fast 40 Einzelschritte nötig. Der erste Xerographie-Kopierer kam dann um 1949/1950 auf den Markt - und flopte!.
Die Grund: Die Selenplatte musste von Hand mit dem Farbpulver bestäubt werden, der Papiertransport war nicht optimal gelöst und auch sonst war das Gerät sehr umständlich. Doch die damalige Herstellerfirma Haloid gab nicht auf. Man tüftelte weiter. Endlich, neun Jahre später, kam der erste Trockenkopierer mit dem Namen Xerox 914 (von 9 x 14 Inch) auf den Markt. Dieser wurde aber damals nur an die Benützer vermietet. Bald schon interessierte sich IBM für das neue Geschäft, doch deren Berater schätzen, dass maximal eine Bedarf von fünftausend Geräten vorhanden sei. Da winkte BM ab. Zudem war man sich damals (noch) gewohnt mit Durchschlagpapier zu arbeiten. Mitte der 50er Jahren wurden in den Vereinigten Staaten jährlich bereits 20 Millionen Kopien, primär unter Verwendung von Karbonpapier und eines Systems von Kodak gemacht.

Aus der einstigen Schwefelküche wird ein Weltunternehmen
1961 änderte die Haloid Company ihren Namen in Xerox Corporation. Im Jahr 2005 erwirtschaftete Xerox einen Umsatz von 15,7 Mrd. US-$ und beschäftigte weltweit rund 58 100 Mitarbeiter. Die Aktie des Unternehmens wird an der New Yorker Börse gehandelt. In Europa entstand 1956 aus einer Fusion Rank Xerox.

Chester Carlson blieb noch Berater bei Haloid-Xerox, konnte sich aber bald darauf mit seinen Tantiemen zur Ruhe setzen und starb 1968. Man sagt er habe ein Vermögen von 150 Millionen Dollar hinterlassen. Schwefel und Bärlappsamen haben die Welt nicht ganz verändert, doch ersparen sie uns das mühselige abschreiben ­ obwohl dafür heute manchmal zu oft «nur auf den Knopf gedrückt wird».

Quelle: Zeitungsbericht und diverse Internetseiten
© Text Ueli Wolfensberger April 2006


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