www.werbewolf.ch...DEZEMBER-NEWS 2004![]()
Sind die Menschen gegen Werbung immun geworden?
Ja, sagt John Land, Sprecher der amerikanischen Marketingkünstler
Negativland. Das "Zuvielvonallem", das Hauptsachebillig,
das Schöneralsvorher funktionieren nicht mehr. Kunden lassen
sich nicht mehr für dumm verkaufen. Der Niveauunterschied
zwischen einer redaktionellen Seite und einer Anzeigenseite ist
gewaltig". Für John Land ist Marketing eine Pseudowissenschaft,
die in Zeiten des Wohlstandes und des Wachstums mit Hilfe von
schöngefärbten demoskopischen Umfragen über das
Kaufverhalten aufgebläht wurde.
Die Verbraucher
haben eine grosse Macht.
Peter Wippermann vom Hamburger Trendbüro spricht den Verbrauchern
eine grosse Macht zu: "Wir leben in einer Konsumentendemokratie
in der jeder Konsument Unternehmer in eigener Sache ist.
Konsumenten
- eine unkontrollierbare Masse?
Zum Glück nicht! Sie reagieren nur anders als früher
und anders als viele annehmen. Gegenbeispiel sind Kultmarken.
Intel wurde kaum als Marke positioniert und doch kennt sie jeder
PC-Benützer (auch wenn er gar nicht weiss was ein Prozessor
ist ....).
Die Kommunikation
muss geschickter werden.
So lautet auch die einhellige Meinung der Spezialisten. Nicht
nur im gesättigten Werbemarkt, sondern vor allem bei den
meist unterschätzten oder oft falsch eingesetzten Möglichkeiten
der Sonder-Werbeformen wie Direktmarketing, Produkt-Placement,
Sponsoring, Point-of-sale-Aktivitäten (siehe links).
Nachlassende
Wirkung der Fernsehwerbung.
Die Sender reagieren mit Preisnachlässen, können aber
dennoch mit den Erlösen ihr Programm nicht mehr finanzieren.
Darum wird nicht nur immer mehr Produkt-Placement betrieben (Lüthi
und Blanc lassen grüssen - auch mit Alkoholwerbung!) es werden
ganze Sendungen gesponsert. Unilever finanziert den Zacherl, den
Koch vom Pro-Sieben. Coop sponsert die Sendung "al dente".
IP Swiss plant eine Gesünder-Kochen-Sendung, und Samuel Stutz
und sein Gesundheits-Magazin werden ebenso gesponsert wie das
Konsumenten-Magazin. Eine weitere, neue Möglichkeit sind
Anrufe, Wettbewerbe und mehr, bei denen - SMS sei Dank - die Kassen
klingeln.
Auf eine Umfrage bezüglich interaktiven TV-Sendungen mit
der Frage" haben Sie auch schon einmal angerufen oder ein
SMS geschickt?", ergab folgende Antworten: 71.5% sagten,
nein - noch nie gemacht, 13,2% haben schon SMS geschickt und 15.3%
haben auch schon angerufen.
Uebrigens: Wal Markt in den USA geht einen anderen Weg: Ueber
den hauseigenen TV-Kanal wirbt Wal Markt für seine eigenen
Produkte und erreicht damit bis zu 100 Millionen Zuschauer pro
Jahr!
SMS als
neues Werbemittel?
Gemäss obiger Ausführung ersetzt das Handy in der modernen
Zeit den Briefkasten. So liess Sony allen Eltern von Kindern im
Alter von 8 bis 12 Jahren per SMS sagen, dass die Kinder vom Samichlaus
nichts lieber hätten als eine Playstation 2. In Finnland
kann man SMS bereits sponsern lassen.
Zielgruppen-Marketing
als Lösung?
Heutige Konsumenten sind "hybrid". Heute kauft er den
neusten Mercedes, morgen isst er im Mac Donald's. Die NZZ liest
er im Geschäft, zu Hause den Blick. Einmal bestellt er per
Katalog ein Hemd (Schnäppchen!!), die andere Woche shoppt
er an der Bahnhofstrasse. Das erschwert auch die Werbung (Werbemittel!)
und die Definition des Zielpublikums. Wer heute noch von einer
werberelevanten Zielgruppe von Jungen von 14 bis 29 Jahren spricht
hat den Trend der Zeit nicht erkannt. Um die einmal genau definierte
Zielgruppe möglichst permanent umwerben zu können, bedient
man sich heute besser des Mikromarketings, das seinen Ursprung
im Direktmarketing hat. Das heisst man bedient sich ausgewählter
Adressen oder überbringt die Botschaft, noch besser, möglichst
persönlich. Beispiel: Einführungs-Aktion Valserwasser.
Uebrigens: Procter & Gamble gibt nur noch einen Drittel seines
Budgets für TV-Werbung aus, die anderen beiden Drittel gehen
bereits heute ins Mikromarketing.
Paid Search.
Wer kennt es nicht bereits. Man sucht im Internet via Google einen
Begriff - und schon erscheint die Lösung des "gesponserten
Links" auf dem Bildschirm. Diese Werbung hat zudem den Vorteil,
dass Kunden für ihre Werbung erst dann zahlen müssen,
wenn der Link tatsächlich angeklickt wurde.
Guerilla
Marketing.
In der Werbekrise wird dieser Kanal immer beliebter. Die Idee
ist simpel: Man wirbt anders, ungewöhnlicher, an anderen
Orten, mit anderen Mitteln usw. Für den Erfolg gibt es zahlreiche
Beispiele. Diese Aktionen, verlangen aber, aus unserer Erfahrung,
auch den Mut der Auftraggeber neue Wege zu gehen ... Zum Beispiel,
wenn Hunde in bedruckten Jacken mit Werbung durch London laufen.
Vor 18 Jahren schon, schlugen wir einer kantonalen Wanderweg-Vereinigung
vor, an Wegweisern das Logo einer zum Produkt passenden Firma
anzubringen um das Budget für eine andere Aktion aufzubessern.
Grosses Wehgeschrei! Das könne man doch nicht machen.....!!!
Und heute: Merkur hat es erkannt, die Merkur-Logos weisen Bikern
den Weg .... - wen stört es??
Werbung
mit Nachrichtenwert.
Um mit Werbung Nachrichtenwert zu erzeugen, kann man seinen Werbeauftritt
auch radikalisieren. Beispiel: "Das Messerstecher-Inserat"
der SVP. Dieses löste Reaktionen in der gesamten Schweizer
Presse aus. Oder: Benetton mit seinen Plakaten. Sloggi mit seinen
Damen von hinten. Je nachdem genügt schon die Ankündigung
eines Plakates. Zum SVP-Plakat erschienen übrigens fast 1'000
inhaltliche redaktionelle Beiträge, womit die SVP dominierte
und die Abstimmung gewann. Natürlich lässt sich über
Geschmack streiten und auch die Image-Frage sei hier nicht beleuchtet.
Inserat
oder PR?
"Reine Anzeigenwerbung zahlt sich fast nie aus", meint
Robert Shaw von der Cranfield School of Marketing. Seine Wertschöpfungsanalyse
von Werbeaktivitäten in Printmedien zeigt, dass weniger als
die Hälfte der geschalteten Inserate Geld einbringt. PR-Berichte
hingegen hätten, vor allem im Verhältnis zu den Kosten,
den vierfachen Wert.
Hier sollte aber, der Objektivität wegen, sicher zwischen
Produkt, Werbemittel, Dauer, Zweck des Inserates unterschieden
werden.
Unbestritten ist jedoch, dass auch die Medienunternehmen unter
finanziellem Druck stehen und heute eher bereit sind PR-Artikel,
News usw. abzudrucken. Es kann aber auch andersherum gehen: Aldi
strich der "Süddeutschen Zeitung" Insertionsaufträge
im Wert von 2, 5 Millionen Franken, weil die Zeitung kritisch
über "massive Wahlbehinderungen" bei der Gründung
von Aldi-Betriebstätten in München berichtete.
PR, Image,
Qualität, Kundenpflege wird noch wichtiger!
Immer mehr Konsumenten vertrauen Medien und Freunden.
Als Beispiel eine Studie über den Autokauf: In der Altersgruppe
der 20- bis 30-jährigen basierte die Entscheidung nur bei
17% auf Werbung. 25% orientieren sich auf Presse- und andere Berichte.
70% aber hörten auf den Rat der "Szene". Das zeigt,
dass Konsumenten bei Kaufentscheiden zunehmend auf Freunde und
Medien achten und Werbung an sich eine Nebenrolle spielt. ABER,
wenn Konsumenten sich nicht an die Werbung erinnern, kaufen sie
das Produkt nicht, also können sie ihren Freunden auch nicht
davon erzählen ...
... alles wird anders, aber die Grundlegenden Mechanismen des
Verkaufs und der Werbung bleiben bestehen.
Es wird auch künftig nicht ohne Werbung gehen. Nur der Kuchen
wird neu verteilt. Auch in Zukunft gilt: "Wer nicht wirbt
stirbt, wer falsch wirbt stirbt teuer .."
Ich meine man sollte dies ergänzen mit: "Wer menschlich
wirbt, wirbt Menschen".
Werbetreibende sollten Konsumenten nicht für dumm verkaufen
(Reinigungsmittel-Werbung lässt grüssen ...). Man sollte
Menschen als das sehen was sie sind: Die Zukunft von Unternehmen.
Kunden sind erwachsene Menschen die ernst genommen werden sollen
und müssen - auch in der Werbung. Denn sonst hat es bald
an jedem Briefkasten einen Stoppkleber, es wird gezappt, umgeblättert,
weggesehen, weggehört ......
(Quellen. Diverse Studien, NZZ-Folio)
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