www.werbewolf.ch...JANUAR-NEWS 2005



Werbetrends 2004/2005: Ich bin ich

Werbung ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Um zu untersuchen, wie die Konsumenten von heute "ticken", hat das Hamburger Trendbüro, Beratungsunternehmen für gesellschaftlichen Wandel die aktuellen Trends in Gesellschaft und Werbung analysiert.

Trend 1: Ich-AG - Das Ich wird neu definiert
Der moderne Konsument ist zunehmend auf sich selbst gestellt: Der Staat zieht sich aus immer mehr Bereichen zurück, die Eigenverantwortung steigt. Vage Versprechungen und unzulängliche Lösungen haben zum Vertrauensverlust gegenüber öffentlichen Institutionen geführt. Aber auch persönliche Bindungen und Beziehungen werden immer brüchiger. Die Folge: Da das Ich mehr und mehr zur einzig verlässlichen Instanz wird, definiert es sich und seine Beziehungen zur Umwelt neu. Rationale wie emotionale Bedürfnisse werden auf den Prüfstand gestellt, Prioritäten neu gesetzt. In dieser Phase der Neubewertung von Lebensinhalten reagiert die Werbung mit Slogans, die dementsprechend das Ich verstärkt in den Mittelpunkt rücken.

- Der wahre Sieger bin ich (DWS Investments)
- 3...2...1...meins! (Ebay)
- Form follows you (Falke)
- Für alle meine Ichs (Fiat Idea)
- Folge deinem eigenen Stern (Mercedes-Benz A-Klasse)

Trend 2: Perfect Past - Mehr Vergangenheit war nie
Die Verunsicherung in der Gesellschaft lenkt bereits seit einiger Zeit die Aufmerksamkeit zurück auf längst vergangene Tage. Immer häufiger wird die Vergangenheit idealisiert und neu inszeniert. Was man einst nicht mehr sehen konnte (Mustertapeten, Cord-Anzüge etc.), findet heute wieder reißenden Absatz. Selbst "Spießer" mit Reihenhaus sind plötzlich wieder hipper als Mofafahrer. Gleichzeitig boomen Benimm-Kurse, die uns in alten Gepflogenheiten wie Höflichkeit und Tischmanieren schulen sollen. Und statt mit einem lockeren "Du" sprechen die Netzwerkkinder von heute Fremde lieber mit dem förmlichen "Sie" an. Auch in der Werbung erinnern sich immer mehr Marken an die gute alte Zeit. Nicht nur alte Key Visuals wie das Ur-Kamel von Camel, sondern auch alte Slogans erleben ein Comeback.

- Ein Platz an der Sonne (ARD Fernsehlotterie)
- Der Kuss der Kokosnuss (Batida de Coco)
- Gutfried ist gut für mich (Gutfried)
- Substanz entscheidet (Handelsblatt)
- Keine Sorge, Volksfürsorge (Volksfürsorge)

Trend 3: Neue Heimat - Man spricht Deutsch
Schliesslich verliert in Zeiten, in denen Filialen von Global Brands unser Stadtbild prägen und Billig-Airlines es uns ermöglichen, für 19 Euro 99 die weite Welt zu sehen, Fremdes seinen Zauber. Statt dessen entdecken wir die Exotik der Nähe wieder. Quer durch alle Lebensbereiche und mittlerweile selbst in den Slogans der Werbung besinnt man sich auf die deutsche Sprache, einem Trend, der sich bereits vor einiger Zeit ankündigte: Seit längerem ist es für junge deutsche Nachwuchsbands viel angesagter, sich einen deutschen Namen zuzulegen ("Zweiraumwohnung", "Blumentopf", "Sportfreude Stiller"), als sich mit heute eher austauschbaren englischen Namen zu bezeichnen. Mehr und mehr schwappt die Liebe für deutsche Wörter aber auch in den allgemeinen Sprachgebrauch über. Musik und Filme aus dem Internet werden nicht mehr "downgeloaded" sondern "runtergeladen" oder "gesaugt", statt zum "Fitness" geht man heute lieber zum "Sport". Und selbst Die Grünen befürworten aktuell eine Quote für deutschsprachige Musik im Radio.

Aktuell:
- Pur und faszinierend (Audi TT)
- Douglas macht das Leben schöner (Douglas)
- Heute. Morgen. Übermorgen. (Mitsubishi)
- Digitale Welten (Panasonic)
- SAT.1 zeigt's allen (SAT.1)
Vorher:
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Come in and find out
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