Duden: selten, Flugzeug- und GebŠudenamen, Adjektive Gross- und Kleinschreibung. Julius und August">
www.werbewolf.ch...AUGUST-NEWS 2005
"selten"
Ansichtskartentexte bedürfen
oft der Interpretation - manchmal weiss man sogar nicht, ob man
die Urlauber beneiden oder bedauern muss. Ein hohes Spekulationspotenzial
bringt etwa die Verwendung von "selten" mit sich.
"Das Wetter ist selten schön" hat nämlich
zwei Lesarten:
"Das Wetter ist nicht oft schön."
Oder: "Das Wetter ist ungewöhnlich schön."
Die Doppeldeutigkeit der Aussage ist darauf zurückzuführen,
dass unflektiertes "selten" vor einem Adjektiv sowohl
"nicht häufig" als auch "besonders, ungewöhnlich"
bedeuten kann.
Durch eine andere Wortstellung
oder Umformulierung können wahrheitsliebende Urlauber(innen)
diese Doppeldeutigkeit ausschliessen. "
"Selten ist das Wetter schön" reduziert die Neidgefühle
von Daheimgebliebenen erheblich.
"Das Wetter ist so schön wie selten" hingegen weist
auf ungetrübte Urlaubsfreuden
hin. Auch in Form einer Beifügung lässt sich die Bedeutung
"besonders" ausdrücken: "Es herrscht ein selten
schönes Wetter."
--
Flugzeugnamen
1. Genus: Bei den meisten
Flugzeugtypen ist das grammatische Genus feminin: "die Ju[nkers]
52", "die Fokker 70", "die Boeing 767",
"die Caravelle". Bestimmte Bezeichnungen, denen ein
gewöhnliches Substantiv zugrunde liegt, haben zuweilen dessen
Genus: "der Jumbojet", "der Eurofighter",
"der Airbus".
2. Deklination: Flugzeugnamen sind auch in Anführungszeichen
zu beugen: die Geschwindigkeit des "Eurofighters".
--
Gebäudenamen
1. Genus: Bezeichnungen,
mit denen sich zunächst kein Genus verbindet und die als
Namen für Hotels, Cafés, Kinos verwendet werden, sind
- entsprechend dem Genus dieser drei Wörter - meist Neutra:
"das Continental", "das Gloria", "das
Hilton"; ich gehe "ins Kranzler", "ins Blum";
"das Royal", "das Rex".
Aber: "die Schauburg" (weil: die Burg), "das
Abendstudio" (weil: das Studio), "die Kurbel",
"die Filmbühne".
2. Deklination: Der Gebäudename
wird gebeugt, auch dann, wenn er in Anführungszeichen steht:
der Besitzer der "Alten Post", die Köche des "Nürnberger
Hofs". Soll der Gebäudename unverändert bleiben,
dann muss umschrieben werden: im Gasthof "Alte Post",
die Köche des Hotels "Nürnberger Hof".
--
Gross- und Kleinschreibung
von Adjektiven
"Bei Neukauf einer
Küche nehmen wir Ihre Alte in Zahlung" - in diesem Satz
die "Alte" großzuschreiben, schien aus Sicht des
Küchenherstellers doch richtig. Er war nämlich von einer
Rechtschreibregel ausgegangen, die Folgendes besagt:
Als Substantive
gebrauchte Adjektive werden in der Regel grossgeschrieben. Korrekt sind demnach auch die folgenden
Sätze:
"Er hatte sechs Richtige im Lotto"
"Sie brachte ihren Neuen gleich mit zu unserer Party"
"Bereits in seiner ersten Arbeitswoche hat er Beträchtliches
geleistet".
Aber Achtung!
Allerdings hat der Verfasser
der Werbebroschüre eine kleine Ausnahme von der Regel nicht
berücksichtigt, die prompt beim Leser zu der ungewünschten
Assoziation führt. Sie lautet: Adjektive und Partizipien mit Artikel
schreibt man immer dann klein, wenn sie sich direkt auf ein vorangehendes
oder nachstehendes Substantiv beziehen. Was bedeutet das in unserem Fall? Das Adjektiv "alte"
hätte in diesem Fall kleingeschrieben werden müssen,
da es sich auf das vorangehende Substantiv "Küche"
bezieht. Hoffen wir für den Küchenhersteller, dass seine
neuen Kunden ihm jetzt nicht zu Dutzenden ihre ungeliebten Hausgenossinnen
im Austausch gegen eine neue Küche in Zahlung geben wollen.
--
Julius und August
- woher die Namen kommen
Der Vorname Julius ist lateinischen Ursprungs und geht auf einen altrömischen
Geschlechternamen zurück. Der bekannteste Vertreter der Julier
war Gaius Julius Cäsar und in der Tat ist der siebte Monat
des Kalenderjahres ihm zu Ehren "mensis Julius" genannt
worden. In Deutschland fand dieser Vorname im 16. Jahrhundert
zunächst in Adelskreisen Verbreitung, nachdem der Humanismus
das Interesse an der altrömischen Geschichte geweckt hatte.
Verschiedene Varianten der weiblichen Form Julia gehören
übrigens seit den 70er-Jahren in vielen Ländern der
Welt zu den beliebtesten Mädchennamen.
Auch der Name August stammt
aus dem Lateinischen, das Adjektiv "augustus" bedeutet
"heilig, ehrwürdig, erhaben". Augustus war ehrender
Beiname des ersten römischen Kaisers Gaius Octavianus. Ihm
zu Ehren wurde der achte Monat des Kalenderjahres als "mensis
Augustus" bezeichnet. Ähnlich wie Julius kam auch der
Vorname August im Zusammenhang mit dem Humanismus im 15. Jahrhundert
auf und war im 18. und 19. Jahrhundert ein besonders beliebter
Name. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam er etwas
aus der Mode, wie andere ältere Namen steigt er jedoch momentan
wieder auf der Beliebtheitsskala.
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