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Kaiserschnitt
War der grosse Caesar ein Präzedenzfall für den Kaiserschnitt? Oder hat ein Arzt namens Kaiser diese Geburtsmethode zum ersten Mal angewendet? Geht etwa auch der "Kreissaal" auf einen "Dr. Kreiss" zurück? Keineswegs. Des Rätsels Lösung liegt woanders.
Bei dem römischen Schriftsteller Plinius findet sich der Versuch, den altrömischen Namen "Caesar" zu deuten. Danach soll der erste Träger dieses Namens bei der Geburt aus dem Leib seiner Mutter herausgeschnitten worden sein (zu lat. "caedere, caesum" = "schlagen, hauen, herausschneiden"). Aufgrund dieser Legende prägte man in der mittelalterlichen Medizin für die operative Entbindung die Bezeichnung "sectio caesarea" ("cäsarischer Schnitt"). Dieser Terminus lebt in den modernen europäischen Sprachen fort. Im Deutschen kam es zu den Lehnübersetzungen "kaiserlicher Schnitt" und "Kaiserschnitt", von denen sich die zweite durchsetzte.

Kreissaal
In dem Wort "Kreissaal" haben viele von Ihnen gewiss schon das Verb "kreissen" ausgemacht. Das zugrunde liegende mittelhochdeutsche Verb ist lautmalerischen Ursprungs und hatte die Bedeutung "gellend schreien, kreischen, stöhnen". Im 17. Jahrhundert wurde "kreissen" speziell auf das Schreien der gebärenden Frau bezogen und entwickelte so die Bedeutung "in Geburtswehen liegen". Die Zusammensetzung "Kreissaal"für den Entbindungsraum im Krankenhaus entstand erst im 20. Jahrhundert.

Der Berg kreisste und gebar eine Maus
Diese Redensart stammt aus der "Ars poetica" des römischen Dichters Horaz (65 bis 8 v. Chr.), wo es in Vers 139 heisst: "Es kreissen die Berge, zur Welt kommt nur ein lächerliches Mäuschen" (lateinisch: "Parturient montes, nascetur ridiculus mus"). Mit diesen Worten wollte Horaz die Dichter kritisieren, die nur wenig von dem halten, was sie versprechen. Wenn jemand grosse Vorbereitungen trifft, grosse Versprechungen macht und kaum etwas dabei herauskommt, dann zitiert man heute: "Der Berg kreisste und gebar eine Maus" oder auch nur: "Der Berg gebar eine Maus."

gebären, entbinden, stillen, säugen, saugen
Wenn es um den Nachwuchs geht, ist vieles außergewöhnlich. Das beginnt schon mit dem Verb "
gebären".
Ursprünglich ein unregelmässiges Verb, wurde "gebären" früher durchweg stark gebeugt. Die 2. und 3. Person Singular und der Imperativ lauteten: "du gebierst, sie gebiert, gebier!".
Heute werden im Indikativ Präsens neben den starken zuweilen auch die schwach gebeugten Formen "gebärst, gebärt, gebäre!" verwendet. Im Präteritum heißt es weiterhin nur "gebarst, gebar" und das Partizip Perfekt lautet wie eh und je "geboren" - daran wird wohl niemand zweifeln.

Das Verb
"entbinden" kann sowohl transitiv als auch intransitiv verwendet werden. Die passivische Konstruktion "die Patientin ist entbunden worden" gehört zu der transitiven Form "jemanden entbinden", was so viel bedeutet wie "Geburtshilfe leisten". So kann man beispielsweise fragen: "Wer hat sie entbunden?" Heute ist eher der Gebrauch der aktivischen Form üblich: "die Patientin hat entbunden"; in dieser intransitiven Verwendung hat "entbinden" die Bedeutung "gebären".

Das Verb "
stillen" ist in grammatischer Hinsicht unkompliziert.

Interessant ist aber, dass im Neuhochdeutschen erst seit dem 16. Jahrhundert "ein Kind stillen" anstelle von "säugen" verwendet wird. Während das Verb "säugen" (= "saugen lassen") heute meist im Zusammenhang mit Tieren gebräuchlich ist und schwach gebeugt wird ("sie säugt, säugte, hat gesäugt"), folgt das eng verwandte "saugen" der starken Konjugation ("es saugt, sog, hat gesogen"). Allerdings sind neben diesen Formen heute auch schon "saugte" und "gesaugt" üblich: "Das Kind saugte zufrieden an der Brust."

zur Rubrik Duden


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