www.werbewolf.ch...FEBRUAR-NEWS 2005
Der Einfluss des
Französischen im 17. Jahrhundert
Während der Kriegswirren
in der ersten Hälfte des 17.
Jahrhunderts hatte das geistig-kulturelle Leben im Deutschen
Reich sehr gelitten. Die allgemeine Not im Lande ließ kein
Interesse an Kunst und Wissenschaft mehr zu. Frankreich,
das als Siegermacht aus dem Dreißigjährigen Krieg
hervorgegangen war, wurde jetzt das Vorbild in Sprache,
Kunst, Mode und sogar in den täglichen Umgangsformen.
Geblieben ist zum Beispiel
die Form der Anrede (Monsieur,
Madame, Mademoiselle), sie wurde als "mein Herr", "gnädige
Frau", "gnädiges Fräulein" ins Deutsche
übertragen. Auch
die alten Verwandtschaftsbezeichnungen wurden durch ihre
franz. Entsprechungen ersetzt, und man sagte für "Mutter"
und "Vater" jetzt "Mama" und "Papa",
aus "Muhme" und "Oheim"
wurden "Tante" und "Onkel", aus "Base"
und "Vetter" wurden
"Cousine" und "Cousin".
Die "Garderobe" (franz.
garde-robe "Kleidung", ursprüngl.
"Kleiderzimmer") des "eleganten" Herrn (franz.
elegant,
eigentl. "wählerisch, geschmackvoll") war ganz
nach
französischem Vorbild ausgerichtet. Zum Anzug trug er eine
seidene "Weste" (franz. veste, aus lateinisch vestis
"Kleid"), und aus seinen Rockärmeln sahen Spitzenmanschetten
hervor. "Manschette" (franz. manchette) ist eine
Verkleinerung von franz. manche "Ärmel" und bedeutete
also
eigentlich "Ärmelchen".
Machte ein "Kavalier" (franz. cavalier, eigtl. "Reiter,
Ritter") einer von ihm verehrten "Dame" (franz.
dame, aus
lateinisch domina "[Haus]herrin") eine "Visite"
(franz. visite
"Besuch"), hatte er sich zuvor "rasieren"
lassen (aus franz.
raser), seine "Perücke" (franz. perruque, ursprüngl.
"Haarschopf")
kräftig mit "Puder" (franz. poudre, eigentl. "Staub,
Pulver")
bestreut und nicht mit "Parfüm" (franz. parfum,
eigentl.
"Wohlgeruch") gespart. Selbstverständlich pflegten
sich auch
die Damen zu "parfümieren" (aus franz. parfumer)
und gaben
durch Pudern ihrem "Teint" (franz. teint, eigentl. "Färbung,
Tönung") das gewünschte Aussehen. Als man in späterer
Zeit
keine Perücken mehr trug, sorgte man mit viel "Pomade"
dafür
(franz. pommade, ital. pomata, zu ital. pomo "Apfel";
das
Haarfett wurde vermutlich aus dem Fleisch einer bestimmten
Apfelsorte hergestellt), dass die "Frisur" (im Deutschen
gebildet zum franz. Verb friser "das Haar kräuseln")
in Form
blieb.
Wer sich so herausgeputzt und entsprechend "Toilette"
gemacht
hatte (franz. toilette, zu franz. toile "Tuch" und ursprüngl.
"Tuch, worauf man sein Wasch- und Frisierzeug legt")
und
sich "galant" verhielt (franz. galant "liebenswürdig"),
der
brauchte sich nicht zu "genieren" (aus franz. [se] gener,
zu
franz. gene "Hemmung").
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