www.werbewolf.ch - April-NEWS 2006

Rubrik Duden: Der oder das Virus. Ausdrücke rund um den Vogel.
Unterschied Epidemie, Pandemie, Zoonose usw.

der oder das Virus
Offenbar ist bei einem Virus das Geschlecht ebenso wandelbar wie seine Oberflächenstruktur. Ein Virus ist nicht nur in medizinischer, sondern auch in sprachlicher Hinsicht ein Verwandlungskünstler. Als Fachbegriff fand besagter Krankheitserreger zunächst als «das Virus» Eingang in die deutsche Sprache. Das ist typisch für bildungssprachliche Entlehnungen: Sie behalten zunächst ihr ursprüngliches Geschlecht bei. Mediziner und Seuchenspezialisten verwendeten Virus also als Substantiv sächlichen Geschlechts. Sie blieben damit sehr nahe am lateinischen Ursprung: Mit dem sächlichen Hauptwort «virus» bezeichneten die alten Römer Schleim, Saft oder Gift.

Doch wie ein Virus passt sich auch eine bildungssprachliche Entlehnung allmählich an ihre neue Umgebung an. Je häufiger sie in der Alltagssprache verwendet wird, desto eher wird ihr Geschlecht dem angepasst, was gewohnt und üblich klingt. Da Substantive auf «-us» meist männlich sind, wurde «das Virus» allmählich zu «der Virus». Heute existieren in der Alltagssprache beide Formen nebeneinander und beide gelten als korrekt. In der Fachsprache dagegen blieb es bei der ursprünglichen sächlichen Form: das Virus.



Einen Vogel haben
(umgangssprachlich) «nicht recht bei Verstand sein». Literarisch seit dem 19. Jahrhundert bezeugt. Geht wahrscheinlich auf den alten Volksglauben zurück, dass Geistesgestörtheit durch Tiere (Vögel) verursacht wird, die im Gehirn des Menschen nisten.

Jemandem den Vogel zeigen
(umgangssprachlich) «sich mit dem Finger an die Stirn tippen, um jemandem zu zeigen, dass er nicht recht bei Verstand sei». Auch wenn die Dame ihm die Vorfahrt genommen hat, braucht er ihr nicht gleich den Vogel zu zeigen.

Den Vogel abschiessen
Heisst so viel wie als bester abschneiden, die beste Leistung erreichen. Kommt aus der Zeit des Vogelschiessens auf Volksfesten. Ein lockerer, loser Vogel ist ein leichtsinniger, leichtfertiger Mensch. Ein seltener Vogel, ein sonderbarer, wunderlicher Mensch. Ein bunter Vogel fällt in jeder Menge auf. Einem schrägen Vogel ist nicht ganz zu trauen und der Paradiesvogel ist einfach schön. Die Vogel-Strauss Politik ist nicht mehr zeitgemäss.


Und wenn schon von Virus und Vögeln die Rede ist, einige Begriffs-Definitionen

Eine EPIDEMIE (griechisch im Volk verbreitet) ist eine unübliche Häufung einer Krankheit innerhalb einer Population = auf Deutsch SEUCHE. Das Wort Seuche hat gotischen Ursprung (siukei, sieche, verwandt mit Siechtum). Epidemisch auftretende Krankheiten sind in der Regel Infektionskrankheiten.
Wird innerhalb einer Bevölkerung ein unüblicher Prozentanteil (bei Grippe etwa10%) von der gleichen Krankheit betroffen, spricht man von einer Epidemie.
Die
Prävalenz ist die epidemiologische Kennzahl die aussagt, wie viele Individuen einer bestimmten Population an einer bestimmten Krankheit erkrankt sind.

Im Unterschied zur Epidemie bezeichnet man mit ENDEMIE das Auftreten einer bestimmten Krankheit innerhalb einer bestimmten Population wobei die Krankheitsursache stetig präsent ist, jedoch nicht zu einer Epidemie führt.

Kontinental- oder länderübergreifend kommt es zur PANDEMIE (griechisch alles Volk betreffend). Beispiele: Pest, Spanische-, Asiatische- und Hongkong Grippe, AIDS. Die Ausbreitung erfolgt von Mensch zu Mensch.

SEUCHENZUG ist die überregionale Ausbreitung einer bedrohlichen Infektionskrankheit, sei es durch Übertragung von Tier zu Tier oder von Mensch zu Mensch.

Erkrankungen bei Tieren nennt man EPIZOOTIE. Oftmals wird aber immer noch von der Maul- und Klauenseuche gesprochen. Die Begriffe Pandemie und Epidemie werden für Tierkrankheiten nicht benutzt.

Als ZOONOSE wird eine von Tieren auf den Menschen übertragbare Krankheit bezeichnet. Umgekehrt kann aber auch der Mensch wieder andere Tiere infizieren. Tiere stellen somit ein Reservoir für die Krankheitserreger dar. Bei den Zooanthroponosen wird die Infektion ausschliesslich von anderen Tierarten auf den Menschen übertragen. Bei den Anthropozoonosen beinahe ausschliesslich vom Menschen auf andere Tiere.

VOGELGRIPPE ist die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Viruserkrankung der Vögel, hervorgerufen durch Influenzaviren. Der Begriff ist unscharf. Damit wird einerseits der in der veterinärmedizinischen Literatur und in der Tierseuchengesetzgebung verwendete Begriff Geflügelpest oder in der englischsprachigen Fachliteratur HPAI (high pathogen avian influenza = hochpathogene aviäre Influenza) gemeint. Daran sterben Vögel. Damit kann aber auch LPAI (low pathogen avian Influenza = niedrigpathogene aviäre Influzena) gemeint sein. Ein grippaler Infekt von Vögeln. In jüngerer Zeit wird der Begriff allerdings meist im populärwissenschaftlichen Gebrauch, zunehmend nur für jene Unterform dieser Erkrankung verwendet, die durch den Virus-Subtyp Influenza A/H5N1 verursacht wird.



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