www.werbewolf.ch...OKTOBER-NEWS 2007
Sinnverwandte Wörter zum Thema sterben nach
Berufen.
Man hört es fast täglich in der Tagesschau: "100 Personen verloren ihr Leben." Verloren? Haben die Leute das Leben etwa verloren wie ein Schlüssel, eine Zeitung. Ebenso oft hört man: "Bei dem Unglück fanden 100 Personen den Tod." Fanden haben diese Personen den Tod etwa gesucht? Oder sind es jene Unglücklichen die das Leben verloren, es fanden und wieder verloren? Warum sagt man nicht einfach und klar: Die Personen verunglückten, ertranken, wurden erschossen?? Oder ganz simpel: Sie starben. Ein Blick in den Duden zeigt, dass es fast eine Seite sinnverwandte Wörter für sterben gibt.
Das hat mich zu folgendem (nicht
ernst zu nehmenden!!) Text veranlasst bei dem hoffentlich keine
Leserin, kein Leser vor Lachen stirbt. Äh -
die Luft wegbleibt.
Der Dieb schleicht sich davon. Der Beamte entschläft
sanft. Der Steuerbeamte macht sich steuerfrei. Nicht viel
besser geht es dem Pfarrer den das Zeitliche segnet, dem
Rabbi der über den Jordan geht und auch der Religiöse
muss dran glauben. Der Zahnarzt hinterlässt eine
schmerzliche Lücke, sein Kollege der Gynäkologe
scheidet dahin und der Augenarzt macht seine Augen zu oder
stellt diese auf Null. Der Tierarzt geht vor die Hunde.
Der Automechaniker schmiert ab. Der Autohändler
kommt unter die Räder, der Rennfahrer kratzt die Kurve,
dreht seine letzte Runde. Taxifahrer aber fahren dahin.
Fechter springen über die Klinge und der Turner
verreckt. Der Anwalt steht bald vor dem jüngsten Gericht,
seine Putzfrau kehrt nie wieder, sie wird zu Staub. Der
Bauarbeiter springt mit Glück von der Schippe. Nicht
besser geht es dem Koch der den Löffel abgibt, dem
Gemüsehändler der sich die Radieschen von unten
ansieht und dem Förster der in die ewigen Jagdgründe
eingeht.
Der Gärtner beisst ins Gras, den Elektriker
trifft der Schlag, der Kaminfeger erbleicht. Der Spanner
ist weg vom Fenster. Der Eremit wird Heim gerufen,
der Organist hört Engel singen. Der Reiseveranstalter
tritt seine letzte Reise an. Dem Uhrmacher läuft
die Zeit ab, dem Sigrist schlägt die letzte Stunde.
Der General wird zur grossen Armee abberufen. Soldaten
kriegen einen kalten Arsch. Der Ringer ringt zum letzten
Mal. Schauspieler treten von der Bühne ab. Schriftsteller
legen die Feder aus der Hand. Astronauten gehen aus dieser
Welt. Lokomotivführer liegen in den letzten Zügen,
Bahnfahrer lösen Friedhof einfach. Österreicher
reissen ein Bankerl oder stellen die Patschen auf. Taucher
finden ein nasses Grab, Matrosen bleiben auf See. Der Pilot
schmiert ab.
Die Tage des Mathematikers sind gezählt. Die Modedesignerin
zieht die sterbliche Hülle oder den Holzpyjama an. Der Metzger
geht alles Fleisches und Mineure fahren zur Grube. Der
Postbote tritt seinen letzten Weg an. Der Lateiner liegt
im Exitus. Der Sprinter haucht sein Leben aus, der Professor
gibt den Geist auf. Der Schirmfabrikant macht den Schirm
zu. Der Schreiner legt den hölzernen Kittel an. Der
Portier macht dem Tod die Tür auf. Die geschwätzige
Nachbarin stirbt nur fast vor Neugier, der Clochard
hat zu wenig zum Leben und zum Sterben
Mechaniker machen die Schraube. Betthäschen hopsen
in die Kiste. Musiker fassen Harfe und Flügel. Sanitären
wird der Stöpsel gezogen. Der Möbelverkäufer
wird zum Erdmöbelbewohner. Der grüne Politiker
biologisch beiseite gestellt. Der Liftboy fährt ein
Stockwerk tiefer. Der Lehrer vergisst alles. Touristen
buchen ein Zimmer im Wurmhotel. Raucher drehen die
letzte Zigarette.
Der Nachtwächter zieht seine letzte Runde. Der Buchhändler
legt das Buch für immer beiseite.
Und: Tagesschausprecher verschwinden von der Bildfläche,
schweigen für immer ...
© Ueli Wolfensberger
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