www.werbewolf.ch...FEBRUAR-NEWS 2008


Rubrik DUDEN

Staatennamen
Die meisten Staatennamen sind Neutra und werden ohne Artikel gebraucht: Argentinien, Costa Rica, Dänemark, Frankreich usw Im Genitiv erhalten diese Namen die Endung -s, in den übrigen Kasus bleiben sie jedoch endungslos: "die Wirtschaft Boliviens", "von Dänemark nach Irland", "Entwicklungshilfe für Kenia". Im Genitiv können sie wahlweise auch vor das Substantiv gestellt werden, das sie näher bestimmen, in diesem Fall übernehmen sie gleichzeitig die Funktion des bestimmten Artikels: "Boliviens Wirtschaft", "Spaniens Geschichte".

Einige Staatennamen sind Feminina und werden ausschliesslich mit dem bestimmten Artikel verwendet: "die Elfenbeinküste", "die Ukraine", "die Schweiz", "die Mongolei". Diese Namen sind selbst endungslos, während der dazugehörige Artikel gebeugt wird: "Er stammt aus der Schweiz", "die Grenzen der Mongolei".

Bei einer weiteren Gruppe von Substantiven, ausschliesslich Maskulina, sind Artikelgebrauch und Deklination schwankend. Neben den Formen "der Iran", "der Irak", "der Libanon", "der Sudan" sind auch die artikellosen Formen "Iran", "Irak", "Libanon", "Sudan" korrekt: "die Hauptstadt des Irans/die Hauptstadt Irans", "sich im/in Libanon aufhalten". Wird die Form mit Artikel verwendet, kann im Genitiv die Endung -s wegfallen: "die Hauptstadt des Irans/des Iran". Interessant ist, dass im allgemeinen Sprachgebrauch die Form mit dem maskulinen Artikel bevorzugt wird, während die artikellose Form als offizielle Variante gilt.

Einwohnerbezeichnungen zu Togo, Elfenbeinküste etc.
Während uns Einwohnerbezeichnungen wie "Italiener", "Argentinier" oder "Tschechen" problemlos über die Lippen gehen, bereiten uns andere Länder in dieser Hinsicht mitunter erhebliches Kopfzerbrechen. Bei Costa Rica, Paraguay und Ghana ist der Fall noch relativ klar. Für diese Länder stehen "Costa-Ricaner", "Paraguayer" und "Ghanaer" (nicht: 'Ghanesen') auf dem Platz. Schwieriger wird es schon bei Togo: Im Deutschen stehen hier sowohl die Form "Togoer" als auch "Togolese" (und nicht etwa 'Toganer') zur Auswahl, wobei "Togoer/ Togoerin" als amtliche Bezeichnung gilt.

Die Elfenbeinküste verführt mitunter zu gewagten Konstruktionen wie 'Elfenbeinküstler' oder 'Elfenbeiner'. Hierbei muss man zunächst einmal wissen, dass der amtliche Staatenname im Deutschen mittlerweile "Cote d'Ivoire" lautet - "Elfenbeinküste" ist die frühere, aber im allgemeinen Sprachgebrauch gängige Bezeichnung. Die einzig korrekte Einwohnerbezeichnung lautet dementsprechend dann "Ivorer/Ivorerin" eingedeutschte Form von franz. "Ivoirien/Ivoirienne".

Achtung! Ganz ohne amtliche Bezeichnung im Deutschen müssen Spieler und Staatsangehörige von Trinidad und Tobago und Serbien und Montenegro auskommen. Hier darf man offiziell nur umschreiben: "Spieler/Einwohner von Trinidad und Tobago bzw. Serbien und Montenegro". Mit Formen wie 'Trinidader (und Tobagoer)' oder 'Serben und Montenegriner' kann man sich zwar behelfen, jedoch sind diese Formen nicht amtlich.

Latinisierung von Familiennamen
Der Familienname ist für uns heute unverrückbarer Bestandteil unserer Identität. In früheren Jahrhunderten war dies allerdings nicht der Fall, Umbenennungen waren durchaus möglich. In Deutschland kam der lange Prozess der Ausbildung fester, erblicher Familiennamen erst im Jahr 1874 mit der Einführung des Standesamtes zu einem Abschluss. So war es beispielsweise in den Zeiten des Humanismus in gebildeten Kreisen sehr beliebt, deutsche Namen ins Lateinische oder auch Griechische zu übersetzen oder sie mit einer entsprechenden Endung zu versehen. Noch heute zeugen viele unserer Familiennamen von dieser Modeerscheinung. Lateinische Übersetzungen deutscher Namen sind etwa die Namen Sartor bzw. Sartorius für Schneider oder Schröder, Molitor für Müller bzw. Möller, Praetorius (lat. Vorsteher, Statthalter) für Schultheiss, Schulze oder Scholze. Namen wie Jacobi oder Wilhelmi sind lateinische Entsprechungen von Jakobs oder Wilhelms. Manche Namen erhielten damals durch schlichtes Anhängen der Endung -ius sozusagen einen "klassischen" Anstrich: So wurde etwa aus Dehl, einer Kurzform von Dietrich, der Name Delius, aus Mathes wurde Mathesius.


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